Schweriner Nachwuchshandballer reicht 29:30 (18:12) gegen SG NARVA Berlin für Quali-Erfolg
Schwerin. Riesiger Jubel, Tränen der Freude, Stolz auf etwas wirklich Besonderes: Nach mehr als zwei Jahrzehnten Abstinenz in der höchsten deutschen Spielklasse steigt die A-Jugend des Vereins Mecklenburger Stiere e.V. wieder in die Jugendbundesliga auf. Den jungen Männern um Headcoach Teo Evangelidis reichte im Rückspiel eine knappe 29:30-Niederlage gegen die Gleichaltrigen der SG NARVA Berlin, um die Qualifikation perfekt zu machen. Das Hinspiel in Berlin hatten die Schweriner vor einer Woche mit fünf Toren (28:23) für sich entscheiden können. Damit war eine solide Basis geschaffen für das zweite Aufeinandertreffen der Kontrahenten. Und ein – mit Blick auf das Torverhältnis – wichtiger Rückhalt. Rund 300 Zuschauer trugen – unter Einhaltung strenger Hygieneauflagen – ebenfalls dazu bei, dass nach langer Zeit endlich wieder ein Handballfest gefeiert werden konnte.
Der Verlauf der von Ole Greuel und Christian Riepold souverän geleiteten Partie war in weiten Teilen ein Abbild des Hinspiels. Die Jungstiere starteten beherzt, fanden ihre Chancen im Abschluss und hielten die eigene Abwehr gut zusammen. Stück für Stück bauten sie ihren Vorsprung aus (5:3, 9.; 9:6, 15.), ließen aber wieder einige klare Chance ungenutzt. „Wir haben eine richtig gute erste Halbzeit gespielt“, konstatierte Teo Evangelidis beim Stand von 18:12. Durchatmen im Team und auf den Rängen – da sollte nichts mehr anbrennen.
Bekanntermaßen endet die Partie jedoch nach 60 Minuten. Die Gäste aus Berlin kamen konzentrierter aus der Kabine und überraschten gleich mal mit einem 4 Tore-Lauf zum 18:16 (36.). Die Jungstiere gerieten sichtlich unter Druck und reagierten nicht gut auf die Veränderungen. NARVA stellte die eigene Abwehr robuster auf, zeigte schnelleres Rückzugsverhalten und holte alles raus, was möglich war. Aus Gäste-Sicht gelang eine perfekte zweite Halbzeit, so der Schweriner Vereinssportlehrer Robert Schneidewind. „Die Jungstiere haben es für uns Zuschauer noch einmal richtig spannend werden lassen“, merkte Oberbürgermeister Dr. Rico Bodenschier später an. Ab der 49. Minute beim Stand von 25:25 bestimmte eine gewisse Hektik das Geschehen auf der Platte. Es gelang keinem Team, sich ernsthaft abzusetzen, sodass am Ende einer nicht überzeugenden zweiten Halbzeit die Jungstiere mit 29:30 geschlagen geben mussten. Die Tordifferenz aus dem Hinspiel war Polster genug, um den Aufstieg trotz der Niederlage perfekt zu machen. „Und das ist Grund für uns, diesen Tag als Belohnung zu sehen und zu genießen. Wir sind mega stolz auf die Trainingsleistung der vergangenen Wochen. Die Tatsache, mit den Landesauswahlkadern auch in der Zeit des Lockdowns trainieren zu können, hat uns gut voran gebracht“, schätzt der Headcoach ein. Er und sein Trainerteam mit Robert Schneidewind, Ronald Bahr und Olaf Schwenn haben dennoch viel zu analysieren. „Wir waren die bessere Mannschaft und sind zu recht aufgestiegen. Dennoch: Diese Leistung reicht für die Jugendbundesliga noch nicht aus. Wir haben jede Menge zu tun“, so Teo Evangelidis. Mit einem zufriedenen Lächeln ergänzt er noch: „Vielleicht hatten wir auch etwas Glück. Aber das ist nach meiner Erfahrung immer an der Seite des Besseren.“ Auf jeden Fall hatten die Jungstiere auch eine Mission: Nach dem viel zu frühen Tod des damaligen Vereinssportlehrers Andreas Westram im Jahr 2018, der die Jugendbundesliga zum Projekt der Jungstiere gemacht hatte, versprach der Handballnachwuchs „Weste, wir leben deinen Traum!“ Am Wochenende ist dieser endlich in Erfüllung gegangen.
Die Ansetzung für die Vorrunde in Staffel 3 ist bereits erfolgt. Die Jungstiere bestreiten zwei Heimspiele gegen die Vertretungen der JSG LIT 1912 und der Füchse Berlin. Auswärts müssen die Schweriner bei der Eintracht Hildesheim, dem SC Magdeburg und dem LHC Cottbus ran. Die erste JBL-Partie im Jungstiere Centrum ist für den 12. September angesetzt, zu Gast ist dann die JSG LIT 1912. Barbara Arndt
Mecklenburger Stiere: Drefahl, Vergin – Kuhn 5, Bonin, Seiffart, Präckel 2, Bahr 4, Mentzel, Reimann 1, Wolf 3/2, Koch, Lübbert, Rassau 3, Gautzsch 11/1
Text: Barbara Arndt
Grenzenloser Jubel über den Aufstieg: Schweriner Nachwuchshandballer spielen wieder in der Jugendbundesliga. Foto: Dietmar Albrecht